Freiheit für die beste Bildung der Welt

Beschlossen durch: Landesparteitag Bad Homburg am 21. & 22. Mai 201621. Mai 2016

Wir Freien Demokraten wollen jedem Menschen ermöglichen, seinen Fähigkeiten entsprechend, seine Ziele zu erreichen. Bildung in der Familie, in der Schule, im Privat- und im Berufsleben ist der Schlüssel zur sozialen Teilhabe und für faire Aufstiegschancen.

Gute Bildung entsteht vorranging in und durch die Familie und das befreundete Umfeld. Sie geschieht in Respekt vor dem Einzelnen, auch in der Schule – gleich in welcher Schulform –, der beruflichen Ausbildung und der Hochschule, sei es als Facharbeiter, Meister oder Universitätsprofessor. Das bedeutet aber nicht, ständige Umstrukturierungen durch die Politik vorzunehmen.

Bildung findet in vielfältiger Weise in kommunalen Lebenswelten vor Ort statt. Wichtig ist es, Bildungschancen für alle Altersgruppen vom Kind bis zu den Senioren in den Kommunen zu ermöglichen und zu fördern. Das gilt insbesondere, wenn besonderer Integrations- und Inklusionsbedarf besteht. Beste Bildungsergebnisse erfordern in den Kommunen eine Kooperation und Vernetzung der im Bildungsbereich tätigen Akteure. Das reicht von Trägern aus Jugendhilfe, Kultur, Sport, der lokalen Wirtschaft bis zu den engagierten Mitgliedern unserer Zivilgesellschaft und vielen weiteren Partnern.

Wir Freie Demokraten setzen uns daher für eine Bildungsoffensive vor Ort und kommunale Bildungsgestaltung ein. Ziel ist es, die Kommune als Ort der Bildung in Form einer Gemeinschaft aller öffentlichen und privaten Bildungsträger zu stärken und kontinuierlich weiter zu entwickeln.

Bildung beginnt in der Familie.

Familie schafft die Grundlage für soziales Lernen. Das Recht und die Pflicht der Familie, ihre Kinder in soziale Werte und Normen einzuführen und pädagogisch zu begleiten, kann und darf der Staat nicht übernehmen. Umgekehrt bedeutet das jedoch auch, dass Eltern diese Verantwortung wahrnehmen müssen. Wenn sie sich hierzu nicht in der Lage sehen, wollen wir Freien Demokraten sie dabei mit Beratungsangeboten unterstützen. Studien haben auch gezeigt, dass gerade Mentorenprogramme und Unterstützungsangebote für Eltern entscheidend zur
positiven Entwicklung der Kinder beitragen können. Diese wollen wir ausdrücklich unterstützen und das Angebot noch leichter zugänglich gestalten. Zentral ist, dass Familie und staatliche Institutionen bei der Erziehung zusammenwirken und die Eltern auch von dem Teil der Erziehung, der in staatlichen Institutionen stattfindet, nicht ausgeschlossen werden. Familie als Gemeinschaft, in der Beziehung gestaltet, miteinander kommuniziert, gespielt und individuelle Kultur geprägt wird, ist nicht ersetzbar. Die soziale und kulturelle Vielfalt der in Deutschland lebenden Familien ist eine Herausforderung, die wir als Chance für eine gute Perspektive unseres Landes begreifen.

Der Einzelne zählt, deshalb folgt das Geld der Bildungsentscheidung.

Bei den familienpolitischen Leistungen wie dem Kindergeld oder den bildungspolitischen Weichenstellungen gilt: Für die Freien Demokraten zählt immer das einzelne Kind, der/die einzelne Jugendliche oder der/die einzelne Erwachsene. Deshalb fordern wir eine Abkehr von pauschalen Zuweisungen an Bildungsträger. Stattdessen wollen wir die Einführung eines Systems der Bildung, bei der die Finanzierung den Entscheidungswegen der Menschen folgt. Das betrifft nicht nur die klassische Schul- und Berufsausbildung, sondern auch die frühkindliche Bildung, Hochschul- und  Erwachsenenbildung. Ein solcher Weg erhöht auch die Wahlfreiheit zwischen und innerhalb der verschiedenen Bildungswege. In einem föderalen Bildungssystem ist es notwendig, bundesweite Standards für einen Schulwechsel zwischen den Bundesländern einzuhalten. Wir dürfen nicht zulassen, dass ein Kind ein Schuljahr wiederholen oder die Schulform wechseln muss, nur weil es von einem Bundesland in ein anderes zieht. Hier sehen wir dringenden Handlungsbedarf damit dem Einzelnen keine Nachteile erwachsen.

Kindertagesstätten sind ein Ort für soziales und grundsätzliches Lernen und essentieller Teil der Bildungspolitik.

Kindertagesstätten sind für uns mehr als nur ein Ort des Aufenthalts und der Betreuung und Versorgung, sie sind Orte frühkindlicher Bildung. Die Ausgangsbedingungen für alle Wege im Leben werden in den ersten Lebensjahren gelegt. Jeder von uns wird in Umstände hineingeboren, die er oder sie nicht aussuchen kann. Daher kommt der frühkindlichen Bildung eine besondere Bedeutung zu. Kinder lernen hier spielerisch voneinander im sozialen Umgang mit Gleichaltrigen und bauen ihre motorischen, geistigen und sozialen Fähigkeiten wie Neugierde,
Kreativität, Phantasie, Konzentration, Gewissenhaftigkeit, Ausdauer, Verantwortungsbewusstsein und Zielstrebigkeit aus. Ganzheitliche frühkindliche Bildung bereitet somit auch auf den Start in die Schullaufbahn vor und legt die Grundlage für alle Bildungs- und Entscheidungswege im späteren, eigenverantworteten Leben.

Gerade deshalb muss der Ausbau qualitativ hochwertiger Kinderbetreuung weiter vorangetrieben werden. Hierbei sollen auf der Grundlage des hessischen Bildungs- und Erziehungsplans hohe Qualitätsstandards für eine gute Bildung, Betreuung und Versorgung flächendeckend implementiert werden. Der Ausbau der Kindergärten zu Familienzentren als Orte der Begegnung, Beratung und Unterstützung der Familien unter fachlicher Begleitung wird von uns unterstützt.
Den Eltern sollte darüber hinaus die Wahlmöglichkeit zwischen einem KiTa-Platz in der Nähe des Arbeitsplatzes oder des Wohnortes offen stehen. Neben der Kinderbetreuung in Kindertagesstätten unterstützen Freie Demokraten die gleichwertige qualifizierte Tagesbetreuung. Zur Wahlmöglichkeit gehört für alle Formen der Kinderbetreuung die Vielfalt der Träger.

Durch Studien ist eindeutig die große Bedeutung des kindgerechten frühkindlichen Lernens belegt. Deshalb fordern wir Freien Demokraten die Zuordnung der Kindertagesstätten zum Bildungsbereich im Kultusministerium und damit einhergehend die kostenfreie Ausgestaltung der frühkindlichen Bildung im Kindergarten. Im Rahmen eines frühkindlichen Tests nach dem dritten Lebensjahr fordern wir eine differenzierte Beratung der Eltern über den weiteren Umgang mit den Entwicklungsstörungen des Kindes mit dem Ziel einer individuellen Förderung des Kindes durch entsprechende Spezialisten.

Mehr Flexibilität an den Grundschulen schafft bessere Voraussetzungen für das Schulleben.

Nach der Kindertagesstätte startet jede Schülerin und jeder Schüler in sein Schulleben. Altersgerecht werden im Primarbereich die Grundfähigkeiten wie Lesen, Schreiben und Rechnen die Weichen für alle Wege des späteren Lebens gestellt.

Der Erwerb der Kulturtechniken soll sich an dem orientieren, was dem einzelnen Kind hilft. Aktuelle Forschungsergebnisse und die Fähigkeiten und Bedürfnisse der Kinder sollten die Richtschnur innerhalb der Beziehungs-Pädagogik bilden. Keine Schulform hat in Deutschland in den letzten Jahren eine so hohe Unabhängigkeit von der Herkunft beim Bildungserfolg bewiesen wie die Grundschule. Um dies weiter zu unterstützen, fordern wir einen flexiblen Start in die Grundschule, der allen Kindern zwischen fünf und sieben  Jahren offen steht, die die Schulreife für die Grundschule erfüllen. Im Zuge einer zusammenwachsenden Welt sprechen wir uns für eine Schaffung von fremdsprachigem Unterricht ab dem zweiten Schuljahr und kindgerechte
zweisprachige Angebote im Regelunterricht aus. Ein entsprechend abgestimmtes Curriculum und Weiterbildungen für Lehrkräfte sind hierfür zu entwickeln. Derzeit variieren die Fremdsprachenkompetenzen beim Übergang in die Sekundarstufe stark. Im Zuge dessen sind die hessischen Bildungsstandards und Inhaltsfelder für Fremdsprachen in der Primarstufe in Hessen auf ihre Effizienz zu prüfen und verstärkt umzusetzen. Nur so kann Bildungsungleichheit im Bereich der Fremdsprachen in der Sekundarstufe nachhaltig vorgebeugt werden.

Eine ganztägige Öffnung der Schule und damit ein verpflichtender flächendeckender Ausbau des Ganztagsschulangebotes werden von uns Freien Demokraten unterstützt. Die jeweilige Ausgestaltung des Ganztagsangebotes der Grundschule soll sich an den Bedingungen des Sozialraumes orientieren.

Für den Übergang in die weiterführende Schule stehen wir zu einer Schulformwahlfreiheit, die die Leistungen des Kindes mit einbezieht. Dabei muss die Finanzierung des Schulwegs zur nächstgelegenen öffentlichen Schule der gewählten Schulform bis zum Ende der Schullaufbahn staatlich gewährleistet sein.

Weiterführende Schulen können mit mehr Durchlässigkeit und guter Ausstattung noch bessere Chancen eröffnen.

Mit dem Wechsel in die weiterführende Schule geraten Jugendliche und deren Eltern leider häufig in den Grabenkampf zwischen den Schulsystemen. Wir wollen eine bestmögliche Ausstattung aller Schulen anstatt eines Glaubenskrieges, ob das dreigliedrige Schulsystem oder Gesamtschulen, ob G8 oder G9, ob private oder staatliche Schule und ob immer inklusive Beschulung oder Förderschulen der bestmögliche Weg sind. Beste Bildung der Welt heißt eben auch die beste Hauptschule, die beste Realschule, die beste Gesamtschule und das beste Gymnasium der Welt. Vor diesem Hintergrund müssen wirklich alle durchgeführten Kürzungen an Hessens Gymnasien und Grundschulen zurückgenommen werden. Wir wollen keine überfüllten Kurse in den Oberstufen und fordern die Sicherung der 105-prozentigen Lehrerversorgung in Hessen.

Weniger Lehrer bedeuten häufig den Wegfall von Leistungskursen im MINT-Bereich, da diese oft nicht so stark nachgefragt sind. Dies ist eine Entwicklung, die in Zeiten des Fachkräftemangels nicht hinnehmbar ist.

Für Freie Demokraten ist klar, dass der beste Rahmen, sowohl in der räumlichen als auch in der inhaltlichen Ausstattung der Schulen, die Voraussetzung für den größtmöglichen Bildungserfolg schafft. Auch hier fordern wir, dass die Finanzmittel den Jugendlichen folgen. Dabei ist klar, dass Schüler mit besonderen Bedürfnissen, wie Kinder mit Behinderungen, mit Lernschwächen,  mit fehlenden Deutschkenntnissen oder aus bildungsfernen Elternhäusern, entsprechend stärker gefördert werden müssen. In der Vergangenheit wurde dies zum Beispiel durch die Einführung des Sozialindexes bereits begonnen. Um danach die besten Angebote vor Ort zu schaffen, brauchen alle Schulen innerhalb der Rahmenpläne größtmögliche Selbstständigkeit bei Organisation, Budget und Personal, um zu entscheiden, ob zum Beispiel eine Hausaufgabenbetreuung, ein Sommerkurs oder doch eine zusätzliche Arbeitsgemeinschaft das richtige Angebot für die entsprechende Schule ist. Zur Ermöglichung dieser Selbstständigkeit sind den Lehrkräften und Schulleitungen entsprechende Ressourcen, z.B. über Freistellungen, zur Verfügung zu stellen.

Gerade zum Abschluss der Schullaufbahn können Programme, wie die Initiativen „Arbeiterkind“ oder „Rock your Life!“, die Jugendlichen in ihrer Entscheidungsfindung über ihren weiteren Lebensweg positiv unterstützen und Orientierung bieten. Wir Freien Demokraten setzen uns für die Förderung bestehender sowie für die Gründung neuer Initiativen ein. Schule hat die Aufgabe, auf das spätere Leben vorzubereiten. Eine engere Verzahnung zwischen Schulen, Unternehmen und der öffentlichen Verwaltung soll die enorme Breite der beruflichen Ausbildung aufzeigen und Grundkompetenzen für das erfolgreiche Bewältigen des Lebens und des Berufs vermitteln. Die Lebensläufe unserer Kinder machen nicht an den Grenzen halt. Unternehmen werden immer internationaler. Daher ist es wichtig, die Schule mit sehr guten Englischkenntnissen zu verlassen. An den weiterführenden Schulen sollen die Angebote in englischer Sprache besonders mit Blick auf den Fachunterricht ausgebaut werden. Bilinguale Angebote müssen weiter ausgebaut und stabilisiert werden. Partizipative Strukturen an den Schulen sind zu stärken.

Nicht nur die Ausstattung unserer Schulen braucht ein Update, auch die zu unterrichtenden Fächer sind vom Wandel der Zeit betroffen. Dies gilt besonders für die naturwissenschaftlichen Fächer. Physik, Chemie und Biologie leben nicht mehr nur vom Lernen und Repetieren von Formeln und Fachbegriffen, sondern vom Erkennen, Verstehen und Anwenden auf verschiedene Problemstellungen. Die Kompetenz für dieses fachübergreifende naturwissenschaftliche Arbeiten sollte frühestmöglich im Schülerleben vermittelt werden. Daher fördern wir die Einführung des Schulfachs „Naturwissenschaftlicher Unterricht“ (NaWi) von Klasse 5 bis 6.

Qualität der Bildung stärken, Lehrer unterstützen.

Der Lehrerberuf muss attraktiv bleiben bzw. es wieder werden. Denn: Die Quelle guter Bildung sind gute Lehrer. Deshalb brauchen wir eine Stärkung der Lehrerausbildung ebenso wie die Modernisierung und Verbesserung der Fort- und Weiterbildungsangebote für Lehrer, insbesondere auch in der unterrichtsfreien Zeit. Die Angebote zur Fort- und Weiterbildung sind von den Lehrkräften regelmäßig in Anspruch zu nehmen.

Der Beruf des Lehrers muss wieder den Stellenwert erlangen, den er verdient und die entsprechende Wertschätzung erfahren. Hierzu gehört die leistungsbezogene Vergütung, denn: Bezahlung nach Leistung muss auch bei denen gelten, denen wir mit unseren Kindern unser kostbarstes Gut anvertrauen. Deshalb brauchen wir einen Leistungsbonus für die besten und engagiertesten Lehrer an unseren Schulen.“

Von der Kindertagesstätte bis zur Hochschule müssen sich alle Bildungsinstitutionen immer wieder der Qualitätssicherung nach höchsten Ansprüchen stellen. Dazu gehören interne Qualitätsverbesserungen durch den Austausch zwischen den Betreuern bzw. Lehrern, eine altersgemäße Feedbackkultur und externe Evaluation, im Bereich der dualen Ausbildung z.B. durch die Ausbildungsbetriebe.

Der Sozialindex soll erweitert werden. Brennpunktschulen erhalten ein zusätzliches Budget, durch das überdurchschnittliche Leistungen der Lehrer zusätzlich entlohnt werden können.

Medienkompetenz sichern und ausbauen.

Für uns gehört hierzu auch die kritische Auseinandersetzung im Umgang mit Medien: Während ab Schulbeginn Grundfähigkeiten wie das Lesen, Schreiben und Rechnen im Mittelpunkt stehen, treten in weiterführenden Schulen auch die Medienkompetenz und die Nutzung moderner Technik in den Mittelpunkt. Da diese immer weiter an Bedeutung im späteren Leben gewinnt, fordern wir sowohl im Bereich der Lehrerfort- und -weiterbildung als auch im Unterricht eine Stärkung der Medienkompetenz. Die aktuelle Medienlandschaft, auch soziale Medien, ist im Unterricht zu berücksichtigen und einzubinden.

Wir wissen heute, dass die Digitalisierung alle Lebensbereiche durchdringt und verändert. Industrie 4.0, digitale Kommunikation und vieles mehr. Freie Demokraten sehen hierin die Chancen für die Zukunft. Daher gilt: Wer die digitale Sprache heute nicht erlernt, dem fehlen in der Zukunft entscheidende Kompetenzen. Hier bedarf es dauerhafter, nachhaltiger, gesamtstaatlicher Investitionen. Wir stellen uns dem Kraftakt, unsere Bildungseinrichtungen digital auszustatten. Digitales Lehren und digitales Lernen müssen feste Bestandteile aller Schulen und aller Schulfächer sowie der Lehreraus- und -fortbildung werden. Das Wissen um Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung ist entscheidend für den Schutz der informationellen Selbstbestimmung und sensibilisiert für die Risiken der Informationssicherheit.

Eine zentrale Bedeutung, nicht nur für die Medienkompetenz, aber auch für die digitalen – und darüber hinaus gehenden – Herausforderungen, kommt den sogenannten MINT-Fächern zu. Freie Demokraten bekennen sich zu deren Bedeutung.

Auf dem Weg zu einer Schule 4.0 müssen alle Schulen insgesamt auf den neuesten Stand gebracht werden: Wir brauchen WLAN und schnelles Internet an allen Schulen, interaktive Whiteboards, Einbindung von Laptops und Tablets mit entsprechender Lern-Software im Unterricht sowie Lehrerinnen und Lehrer, die damit umgehen können. Wir brauchen eine digitale Grundausstattung, bei der jeder Schüler ab der dritten Klasse im Besitz eines Tablet-Computers und jeder Schüler ab der 7. Klasse im Besitz eines einfachen Notebooks ist. Gleichzeitig muss Hessen alle Anstrengungen unternehmen, um die Lehrkräfte fit für die Vermittlung digitaler Kompetenzen zu machen. Die Schulen verpflichten sich, ihr Lehrpersonal in den nächsten Jahren dahingehend fortzubilden, dass die Infrastruktur auch tatsächlich eingesetzt und genutzt wird. Hierbei soll Wert auf den verantwortlichen Umgang mit Medien gelegt werden, um eine grundsätzliche Sensibilisierung für Datensicherheit zu schaffen. Außerdem soll ein kritischer Umgang mit Informationsquellen vermittelt werden.

Bei allen wichtigen und richtigen Maßnahmen zur Verbesserung der Medienkompetenz lassen wir nicht außer Acht, dass alle Bildungseinrichtungen auch wichtige Lernorte für Kommunikation und soziales Lernen sind. Sie müssen als Präsenz- und Kommunikationsorte für Lehrende und Lernende erhalten bleiben.

Wir müssen stärker erforschen, welche Formen des Lernens, der Lernvermittlung und welche Arten von Lerninhalten sinnvoll digitalisiert und visualisiert werden können, um zu verbesserten Lern- und Lehrmöglichkeiten zu führen. Um Transparenz mit Blick auf die gestiegene Vielfalt von Bildungsangeboten verschiedenster Anbieter zu schaffen, brauchen wir neue Instrumente der Qualitätssicherung wie etwa Zertifizierung und Akkreditierung sowie Bildungsplattformen, aus denen die Bildungsangebote ersichtlich sind.

Schulen sollen sich nach dem Erwerb der übrigen Grundfähigkeiten auch zu digitalen Lernnetzwerken entwickeln, nachdem Hochschulen als Forschungsnetzwerke und Anbieter von digitalen Lehr- und Lernangeboten bereits vorangehen. Diese Vernetzung erfolgt ebenso zwischen den Schulen untereinander (weltweit) wie zwischen Schülern und Lehrkräften, jeweils sowohl untereinander als auch miteinander und muss nicht gesetzlich geregelt werden. Damit wird kooperatives Arbeiten auf Schul- und Schülerebene auch international Standard.

Berufliche Bildung legt die Basis für technische, soziale und kaufmännische Berufe

Das duale Ausbildungssystem mit den dualen Partnern Ausbildungsbetrieb und Berufsschule ist ein wichtiger Erfolgsfaktor für Deutschland und der bildungspolitische Exportschlager. Dennoch ist in den letzten Jahren ein Trend zur stärkeren Akademisierung zu erkennen: Viele Jugendliche und ihre Eltern entscheiden sich aus Sorge, Chancen zu verpassen, direkt für ein Studium, obwohl für manchen eine duale Ausbildung der bessere Weg wäre. Das Orientieren an Hochschulabsolventenquoten von offizieller Seite ist einzustellen. Quoten dieser Art sind keine Indikatoren für eine gesunde Volkswirtschaft. Jeden staatlichen Vorstoß, einzelne Ausbildungsberufe ausschließlich für Abiturienten zugänglich zu machen, lehnen wir ausdrücklich ab. Freie Demokraten wollen berufliche Bildung durch größere Selbstständigkeit der beruflichen Schulen stärken. Auch der Stärkung und Unterstützung insbesondere kleinerer Unternehmen als Ausbildungsbetriebe kommt hierbei eine besondere Bedeutung zu. Zur weiteren Qualitätssteigerung der dualen Ausbildung sind Betriebe und Berufsschulen aufgerufen, sich zukünftig noch stärker füreinander zu öffnen, intensiver zu kommunizieren und eng zu kooperieren.

Wir wollen die berufliche Bildung stärker auf umfassendere Ausbildungsberufe ausrichten, die mit Spezialisierungen weiter ausdifferenziert werden können, anstatt kurzfristig ständig neue moderne Ausbildungsberufe zu schaffen. Dies führt nicht nur zu einer besseren Akzeptanz bei potentiellen Arbeitgebern, sondern macht es den Auszubildenden auch leichter, zu einem späteren Zeitpunkt berufsbegleitend an Hochschulen für angewandte Wissenschaft oder Berufsakademien wechseln zu können und hierbei Teile ihrer Ausbildung anerkannt zu bekommen. Daneben führt die große Zahl von über 300 anerkannten Ausbildungsberufen dazu, dass Jugendliche und ihre Eltern sich nur sehr schwer für den wirklich „richtigen“ Ausbildungsberuf entscheiden können.

Für die duale Berufsausbildung wollen wir mittels digitaler Bildung über individualisiertes, stärker betriebs- bzw. arbeitsplatzorientiertes Lernen neue Möglichkeiten eröffnen. Die Ausbildung wird modularer und ermöglicht so individuellere Berufs- und Karrierewege. Gleichzeitig muss trotz Individualisierung die Durchlässigkeit für den Einzelnen im Beruf und am Arbeitsmarkt gegeben sein.

Die Aufgabe der Berufsschule ist es dabei, dem Auszubildenden im dualen System so die Grundlagen des Berufes zu vermitteln, dass er sich innerhalb des Berufsfeldes schnell in jedem anderen Betrieb einarbeiten kann.

Integration durch Bildung

Viele Menschen, vor allem junge Menschen kommen nach Hessen. Sie kommen aus den verschiedenen Krisengebieten der Welt und hatten dort oft keine Chance auf gute Bildung, wenn überhaupt auf Bildung. Wir Freien Demokraten wissen, dass Bildung und Sprache die  wichtigsten Elemente einer gelingenden Integration sind. Deshalb müssen wir unsere Schulen weiter öffnen und ohne unrealistische Altersbeschränkungen Flüchtlingen und Zuwanderern die Möglichkeit eröffnen, einen deutschen Schulabschluss zu erlangen. Durch einen ersten Schulabschluss stehen – und das ist das Herausragende am deutschen Bildungssystem – alle Wege offen, auch zu einem erfolgreichen Abschluss an einer Hochschule. Konkret bedeutet dies, wir brauchen Intensiv – Sprachförderklassen an allgemeinbildenden Schulen und Klassen an beruflichen Schulen für ältere Jugendliche, in denen neben der Sprachförderung intensiv Berufsorientierung betrieben wird.

Daneben müssen nicht nur die Volkshochschulen Sprachlern- und Alphabetisierungsangebote vorhalten;  auch an den Schulen für Erwachsene müssen die Aufnahmekriterien so flexibel gestaltet werden, dass jede und jeder wirklich die Chance erhält, in Hessen Deutsch zu lernen, um auf dem ersten Arbeitsmarkt nachhaltig Fuß zu fassen.

Neben der Grundbildung in der deutschen Sprache an den Schulen ist es notwendig, dass junge Flüchtlinge, die einen Ausbildungsplatz gefunden haben, ergänzend zum Berufsschulunterricht weiter beim Erlernen und Festigen der deutschen Sprache unterstützt werden.

Hohe Qualität der Hochschulen soll sich selbstständig entfalten können – in ganz Hessen.

Die Freiheit der Hochschulen, die mit dem Hochschulpakt eingeleitet wurde, gibt denjenigen, die nach den weiterführenden oder beruflichen Schulen ein Studium anstreben, vielfältige Möglichkeiten. Hessen hat eine vielfältige Hochschullandschaft. Das Prinzip „Geld folgt Studierenden“ trägt zur Stärkung des Hochschulstandorts und zu besseren Bildungsangeboten bei. Für die Freien Demokraten kommt den großen Universitätsstandorten eine ebenso große Bedeutung zu wie den vielen kleinen Hochschulen für angewandte Wissenschaft, Berufsakademie- und Technischen Hochschulstandorten.

Technologieverständnis, Interdisziplinarität und systemübergreifendes Denken werden immer wichtiger. Da die Digitalisierung alle wissenschaftlichen Bereiche und Disziplinen erfasst, müssen wir dafür sorgen, dass die Grenzen zwischen den Disziplinen in Forschung und Lehre überwunden werden. Diese Kompetenz sollte mit Blick auf die Internationalität unseres Bundeslandes auch verstärkt in englischer Sprache geschult werden.

Lebenslanges Lernen schafft dauerhaftes Wissen

Auch nach der Zeit an der beruflichen Schule oder Hochschule sind Erwachsene weiter gefordert zu lernen. Durch die Veränderungen unserer Zeit – von der Digitalisierung bis zur Globalisierung – müssen sich auch Erwachsene ständig fortbilden. Ob Sprachkurse in privaten Bildungsinstitutionen bzw. Volkshochschulen oder das Erlernen von technischem Knowhow im Umgang mit neuen Maschinen: Firmen, Arbeitnehmer und Bildungsinstitutionen haben eine  gemeinsame Verantwortung für die Förderung des lebenslangen Lernens und müssen sich dieser bewusst sein. Deshalb wollen Freie Demokraten, dass sich alle Bildungsinstitutionen öffnen; manche, z.B. Volkshochschulen, sollten praxisbezogener werden und verstärkt Zertifikatskurse anbieten. Berufliche Schulen und Hochschulen müssen, neben den Hauptbesuchern im Rahmen der Erstausbildung, auch Berufstätige – finanziert durch Bildungsgutscheine – für die Herausforderungen der Gegenwart weiterbilden. Hierzu ist ein offener Zugang zu den Bildungsangeboten ebenso notwendig wie eine Anpassung ihrer Zeiten. Möglichst viele Bachelor und Masterstudiengänge an hessischen Hochschulen sind in einer berufsbegleitenden Variante anzubieten.

Lebenslanges Lernen muss vom Schlagwort zur Realität werden. Dies muss gezielt unterstützt werden, etwa durch Bildungssparen, Weiterbildung in den Unternehmen und eine aktive Arbeitsmarktpolitik, die Weiterbildung fördert.

Alle Bildungseinrichtungen müssen sich auf lebenslanges Lernen einstellen. Das ist eine Herausforderung an Lehrinhalte, Abschlüsse und Lehrkräfte. Kompakte und praxisnahe Online-Lehrgänge zu klar fokussierten Kompetenzen und mit eigenem Abschluss können beispielsweise ein Baustein sein, um sich in allen Lebensphasen immer wieder schnell neue notwendige Qualifikationen anzueignen.

Wissen und Erfahrung nutzen und weitergeben.

Insbesondere in der zweiten Hälfte des Berufslebens, aber auch danach, können ältere Erwachsene viel Wissen und Erfahrung an Jüngere weitergeben. Im Gegenzug können die Jüngeren beispielsweise den Umgang mit modernen Medien unterstützen. Hier sind für uns Freie Demokraten insbesondere die Volkshochschulen, aber auch Firmen und weitere Sozial- und Bildungsträger gefragt, Angebote zur Verzahnung zu schaffen. Wertvolle Impulse können hierbei sowohl vom Business Angel, als auch vom Seniorentreffen der ehemaligen Mitarbeiter ausgehen.